Bild Mai 1931 in Tübingen


Vor einem Jahr kam mir ein altes Foto in die Hand, welches mich auf den Gedanken brachte, ein Sportjubiläum des CVJM Wildberg - Eichenkreuz - zu veranstalten. Dieses Foto zeigt junge Männer im Jahr 1931 in Tübingen während einem Besuch bei einem ehemaligen Pfarrer in Wildberg.
Es war nicht leicht, Unterlagen von den Jahren 1930 bis zum Kriege aus der Arbeit des CVJM (Jünglingsverein) zu finden. Herr Ernst Hauser aus Wildberg sowie die Herren Gerhard Dengler und Eugen Hörrmann haben mir dabei geholfen. Von Herrn Ernst Hauser habe ich ein Buch erhalten, aus welchem ich folgendes über die Neuentstehung des CVJM Wildberg im Jahr 1930 entnommen habe:
"Wie neues Leben einzog.
Wildberg OA. Nagold. Seit den letzten Jahren bildeten 3 - 4 Mann den ganzer Verein. Auf mehrfache Bitten der Eltern und des Oberlehrers Rentschler hin wurde eine Neugründung gewagt. Am 19. Januar ds.Js. war eine Besprechung im Pfarrhaus. Am folgenden Donnerstag abend war die e r s t e B i b e l s t u n d e. Das Gleichnis vom Weinstock war die Losung vom Wiederbeginn. Süße, frische, aber auch herb gewürzte Frucht soll das junge Christenleben bringen, Frucht, die unter dem Sonnenschein der Güte Gottes am freien Bergeshang erwächst. Aber das ist nur möglich, wenn die Rebe am Weinstock bleibt und aus dem Urgrund aller Seligkeit ihre Kraft zieht, unmerklich, aber auch unverkennbar. Und beschneiden muß sie sich lassen. Ohne Gehorsam, unbedingten Gehorsam, der nicht ohne schmerzlichen Verzicht abgeht, ist Vereinsleben unmöglich. - Das war der Anfang. Etwa 15 Burschen kamen zuerst Heute sind wir 25 Mitglieder. Wir machten es uns zur Pflicht, zu allen Vereinsstunden regelmäßig zu kommen.

Was treiben wir nun ? - Am Donnerstag abend ist Bibelstunde. Gegenwärtig legen wir den Texrt des feinen Andachtsheftleins "Suchet in der Schrift" zugrunde, das jeder hat und - ich glaube auch - liest. Am Sonntagnachmittag und - im Sommer selbstverständlich - am Sonntagabend spielen wir zuerst; wir machen das Talerspiel, die schwarze Kunst, ein Pfänderspiel, eben immer etwas, das uns Freude macht. Wir singen, bald Volkslieder, bald Choräle. Das neugemietete Klavier begleitet uns. Dann wird uns etwas erzählt oder vorgelesen, von Gandhi, von den Quäkern, von Mathilda Wrede, diesem "Engel unter den Gefangenen", aus der Mission in dem flotten Weltreisebuch von Anstein, gemütvolle Geschichten von Rosegger und die witzigen und doch so würzigen Geschichten von J.P. Nebel. An einem schönen Sommerabend wandern wir dann auch noch ans Sulzer Eck hinauf,lassen Jodler über das Nagoldtal schallen und singen den Wildbergern ein paar Lieder. - Am Sonntagnachmittag aber wird seit neuestem wacker Völkerball gespielt und, wenn man schmutzig und verschwitzt ist, springt man in die kühlen Fluten der Nagold. Wir haben ja so einen feinen Platz beim Ferienheim, wo wir ganz für uns sind und wo es nicht einmal etwas kostet.

Seit diesem halben Jahr hatten wir aber schon manche besondere Freuden. Zweimal besuchten wir ein auswärtiges Kirchenkonzert; dann besuchte uns der Botnanger Verein; am 11. Mai waren wir auf Rädern beim Bezirkstreffen in Egenhausen- man sagte, es müsse "Regenhausen" heißen, wir kamen triefnaß heim -; um so schöner war am 1. Juni der Bundesturntag in Tübingen, an den wir mit großer Freude zurückdenken. Erst letzthin machten wir eine Schnitzeljagd zu einem Bezirkstreffen in Zwerenberg, wo wir am sonnigen Waldrand mit anderen Vereinen Spiele machten, nachdem man uns in der Kirche die Pflicht zu mutigem Bekenntnis in diesem Jubeljahr des Augsburger Bekenntnisses nahegelegt hatte. Endlich haben wir mit dem Jugendbund zusammen eine Jugendfeier veranstaltet und dabei die Aufführung gemacht: "Liebet eure Feinde!" Eine Fülle von Freude ließ uns Gott zuströmen. Für alle diese Wirkungen Gottes können wir nur von Herzen dankbar sein. Bis jetzt war der Eifer groß: An jedem Vereinsabend opfern wir zur Ansammlung eines kleinen Vereinsvermögens je 10 - 20 Pf.; es ist viel für unsern armen Ort. Einer beschaffte uns 10 Liederbücher "Freude die Fülle", blau in Leinwand gebunden, ein anderer das Schwarze Brett, der eine Kohlen, der andere Holz, der eine Licht, der andere die Bilder an der Wand und so noch manches. In letzter Zeit machten wir für bedürftige, aber verschämte Arme eine Eiersammlung.

Das Neueste aber ist, da3 sich einer um den andern eine Jungvolktracht anschafft. Das trägt wesentlich dazu bei, daß bei uns Schneid, Zucht, Ordnung durchdringt. Aber über alles wichtig ist uns, daß auch die innere Zucht, die Ordnung des Herzens unter Gottes Willen, mehr und mehr durchdringe. Um diesen Pfingstgeist bitten wir in unserem Verein. Stadtpfarramtsverwalter Beierbach."
Der damalige Bundesturnwart Otto Dörr aus Stuttgart schrieb in diesen Jahren mehrmals lobende Berichte über die Gautreffen auf dem Kühlen Berg. Auch der Verein aus Wildberg war bei diesen Treffen dabei wie einige Bilder aus den Jahren 1931/32 zeigen, welche wir anschließend sehen werden. Jeden Mittwoch wurde auf der Au geturnt und anschließend ist man mit Gesang nach Hause gegangen.

Leider kam dann der zweite Weltkrieg, der auch im Vereinsleben des CVJM seine Spuren hinterließ. Die meisten Mitglieder des Vereins wurden zum Wehrdienst eingezogen und viele kamen nicht mehr zurück. Nach dem Krieg mußte neu begonnen werden. Aus einer Jugendgruppe, die der damalige Pfarrer Missionsziel mit Hans Schanz und Walter Ostertag aufbaute, entstand der heutige CVJM. Dessen Vorstand war bis 1961 Hans Schanz. Die Jahre danach bis heute ist Walter Ostertag unser Vorstand. Hans Finkbeiner betreute die Jungschar Am Sonntag traf man sich nachmittags im unteren Raum des alten Kindergarte machte Spiele und sammelte sich um das Wort Gottes. In den Sommermonaten wurden Schnitzeljagden unternommen, man spielte Fußball auf einer Wiese oder sonstige Spiele. In dieser Zeit, etwa um das Jahr 1950 begann dann auch der Jungscharsport in Wildberg. Es wurden die Kühlenberg-Feste gefeiert und viel Sport getrieben. Auf dem Kühlenberg wurden Leichtathletische Disziplinen ausgetragen und als Mannschaftswettbewerb auch Handball gespielt In diesen Jahren haben dann Eberhard Rempp und Heinz Ostertag die Jungschararbeit übernommen. Aus dem Sport in der Jungschar heraus entstand dann die heutige Eichenkreuz-Sportgruppe. Diese wurde von 1957 bis 1964 von Fritz Braun geleitet und hatte in der heutigen Festhalle am Montagabend ihre festen Übungsstunden. In dieser Zeit wurde vorwiegend Handball gespielt und auch Spiele gegen die Mannschaften aus Bulach und Ebhausen ausgetragen. An eines kann ich mich noch ganz gut erinnern. Es war in Ebhausen. Wir hatten eigentlich nie eine Chance, dieses Spiel zu gewinnen, und so ging dieses, für mich so denkwürdige Spiel 5 : 35 verloren. Etwas geschockt, aber mit der Erkenntnis, daß es eigentlich etwas besser werden sollte, machten wir uns auf den Heimweg. Wir haben uns dann öfter an Turnieren beteiligt, um eine Leistungssteigerung zu erreichen. 1964 hat Fritz Schanz die EK-Gruppe als Übungsleiter übernommen.

Seit dem Jahre 1964 gibt es in Wildberg Stadtmeisterschaften. Diese wurder zuerst um den Ludwig-Weber-Pokal ausgetragen. 1966 hat sich der CVJM erstmals im Fußball an der Stadtmeisterschaft beteiligt und gewann den Pokal. 1967 gewann der CVJM die Stadtmeisterschaft ebenfalls, aber im Faustball. Seit 1968 werden die Stadtmeisterschaften im Handball ausgetragen und in diesem Jahr haben wir den Ludwig-Weber-Pokal zum 3. mal hintereinander und deshalb für immer gewonnen. 1969 und 1970 wurde der CVJM wiederum Stadtmeister. Seit 1971 ist diese Serie unterbrochen, aber wir hoffen auf das nächste Jahr. Bezirksrneister imHallenhandball wurde der CVJM Wildberg 1969 und 1972. Die Jugend des CVJM wurde 1971 Stadtmeister und 1969 Bezirks meister. Bei der EK-Runde auf Landesebene spielt die Sportgruppe des CVJM Wildberg in der Leistungsklasse III. Seit Jahren versuchen wir in die LK aufzusteigen, einmal verloren wir ein Entscheidungsspiel, ein anderes mal hatten wir das Pech, immer das entscheidende Spiel knapp zu verlieren.

Mit der Chronik - dem Rückblick bin ich nun zu Ende. Von der Gegenwart möchte ich berichten, daß die Eichenkreuz-Sportgruppe zur Zeit 25 Mitglieder hat (Jugend und Männer). Leider fehlen einige bei den Übungsstunden, da sie entweder auswärts in Berufsausbildung oder bei der Bundeswehr sind. Vorausschauend möchte ich noch sagen, daß wir am 16./17. Juni mit der Männermannschaft beim Eichenkreuz-Sportfest in Kassel teilnehmen. Dies wird einer der Höhepunkte in diesem Jahr werden.

Text von Fritz Schanz, geschrieben April 1973